© Foto: Armin Landis

«Weltweit gibt es je nach Schätzung zwischen 5.000.000 und 100.000.000 Arten von Pflanzen, Tieren, Pilzen und Bakterien. Doch höchstens zwei Millionen davon sind wissenschaftlich beschrieben. Da global ein dramatisches Artensterben herrscht, werden viele ausgestorben sein, bevor sie je ein Mensch bewusst wahrgenommen hat.»
(Umweltinstitut München, «Das große Sterben»)


Mehr Blumen braucht die Welt: Was kann man als Einzelne(r) tun gegen das Artensterben?  

Filme wie MORE THAN HONEY oder der Roman DIE GESCHICHTE DER BIENEN von Maja Lunde führen in erschreckender Weise vor Augen, was längst begonnen hat: In einer aktuellen Studie warnen ForscherInnen: wenn der Rückgang in der aktuellen Geschwindigkeit weitergeht, gäbe es innerhalb von einem Jahrhundert keine Insekten mehr!

Gesichert ist diese Zahl: Es gibt 76% weniger Fluginsekten (bis zu 82% weniger im Hochsommer) seit 1989. Und unsere Ernährung hängt direkt und indirekt davon ab, dass Insekten Pflanzen bestäuben... 

Wussten Sie das? ‒ Die Fläche aller Haus- und Kleingärten in Deutschland übersteigt die Fläche der Naturschutzgebiete um ein Vielfaches! Das bedeutet, dass GartenbesitzerInnen durch eine naturnahe Gestaltung wichtige Lebensräume für Insekten, Schmetterlinge, Vögel und Wildtiere schaffen können ‒ und so bedeutend mithelfen, die Artenvielfalt zu erhalten. Auch die Vernetzung von vielen einzelnen Lebensgrundlagen ist wichtig.

Bloß, wie hilft man mit? Wir haben nachfolgend einige Punkte zusammengestellt, für die teilweise sogar gar kein eigener Garten oder Balkon notwendig ist.

  • Tiere einladen: Wenn Sie einen Garten haben, können Sie Wohnräume für Insekten und Wildtiere schaffen: wie beschreiben beispielsweise die Buchtitel «Lebensräume schaffen» und «Die Bienenkiste». Oder mit Insektenhotels, hier vier Beispiele aus unserem MEERSTERN-Garten: 


Von links nach rechts: vogelsicheres Quartier für Ohrenkneifer (in der Konsequenz biologische Blattlausbekämpfung) / Insektenhotel für diverse Arten / mäusesichere Überwinterung für Schmetterlinge / Eiablagemöglichkeit für Grabwespen, Wegwespen und verschiedene Solitärbienenarten. 

  • Licht aus: nicht nur in Sachen Lichtverschmutzung wichtig. Viele Nachtfalter und andere nachtaktive Insekten verenden an den Laternen und Beleuchtungen um's Haus, dabei ist es egal ob LED oder herkömmliche Glühbirnen verbaut sind. Je heller desto schlechter für die Fauna! Eine echte Alternative: das Sonnenglas

  • Geld spenden: Geht auch ohne Garten oder Balkon. Organisationen wie der BUND Naturschutz, der NABU, WWF oder das Umweltinstitut München freuen sich über Ihre Unterstützung. 
  • Vögel füttern: Ist eine Vogelfütterung eigentlich sinnvoll? Der BUND Naturschutz schreibt dazu auf seiner Webseite: «Weit sinnvoller investiert ist hier jeder Cent, der etwa in Produkte der ökologischen Landwirtschaft fließt. In einer Kulturlandschaft mit Weidetieren, Obstbäumen, Kleingewässern, Hecken und bunten Ackerrandstreifen leben viel mehr Vogelarten – auch solche, die heute stark gefährdet sind. Schließlich: Vogelfutter ersetzt nicht den naturnahen Garten. Heimische Beerensträucher oder Ecken mit Wildwuchs liefern Vögeln natürliche Nahrung sowie Nischen, wo sie nisten und sich verbergen können.»

  • Blühwiesen pachten: Man kann der Landwirtschaft ganz praktisch zum Erblühen verhelfen: Es gibt die Möglichkeit, bei Bauern oder Bäuerinnen ein kleines Stück Land zu pachten (schon ab 30 Euro im Jahr), auf dem dann Blühwiesen angesäht werden. Hier geht's zum Portal «Blühwiese kaufen» – wo wir schon eine MEERSTERN-Blühwiese gepachtet haben! 

  • Blumenpflanzen kaufen: Es gibt tatsächlich jede Menge Blumen in der Gärtnerei, die vollkommen nutzlos für Insekten sind! Unbedingt darauf achten, dass heimische Wildpflanzen oder zumindest Insektengeeignete Pflanzen im Einkaufswagen landen. Gut für den Balkon oder Garten sind etwa Pechnelke, Kornrade oder die Gemeine Akelei. Bei ökologischem Saatgut: nachbaufähige, samenfeste Sorten kaufen. Das sind keine Hybrid-Sorten, Patente, Gen- oder Biotechnologie. Kleine Tat, große Wirkung: Betrachten Sie einen blühenden Asterbusch an einem sonnigen Tag: Sie werden es kaum schaffen, alle Insekten allein auf dieser einen Pflanze zu zählen! Und wenn viele mitmachen, summiert sich dieser Effekt im wahrsten Sinne des Wortes ;-) 

  • Biologisch einkaufen: Nach Möglichkeit ökologisch einkaufen, da hier auf mineralische Düngemittel und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verzichtet wird. So wird die Artenvielfalt gefördert und es werden Ressourcen geschont. 

  • Solawi unterstützen: Vielleicht gibt es auch ihn Ihrer Nähe die Möglichkeit, bei einer «Solidarischen Landwirtschaft» mitzumachen: Hier tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten. Man erhält etwa in Form einer wöchentlichen Biokiste Obst und Gemüse. Regional und in der Regel bio – was gibt es besseres? Zudem unterstützt man eine nicht-industrielle, marktunabhängige Landwirschaft. Vielerorts gibt es auch die Möglichkeit, beim Anbau und der Pflege des später eigenen Gemüses mitzuhelfen.

  • Blumenwiesen ansäen: Wild: Natürlich vorher um Erlaubnis fragen! Auf dem eigenen Grundstück: Wild wachsen lassen oder Blumenmischungen ansäen, nur ein oder zwei Mal im Jahr abmähen. Öffentliche Brachflächen haben noch mehr Potential: Versuchen Sie, kommunale PolitikerInnen zu motivieren. 

  • Steine weg: Viele Gärten sind zu modernen Mausoleen geworden: Kiesbeete, reine Steinmauern und Beton. Und fast immer kommen hier dann auch noch Unkrautvernichtungsmittel zum Einsatz, um diese quasi tote Landschaft in der Form erhalten zu können. Weg damit und Lebendiges anpflanzen. Nicht alles ist pflegeintensiv, wie etwa Stauden.