Vielleicht geht es in dieser Welt gar nicht darum, glücklich und erfolgreich zu werden, sich angekommen und angenommen zu fühlen, die Missstände auszumerzen, gelassener, fitter, schöner und gebildeter zu werden.
 
Vielleicht ist das alles in einer Welt, die durchzogen ist von Ungerechtigkeit  ‒ angesichts nie verglimmender Bosheit und übermächtigen politischen Strukturen ‒ gar nicht möglich. Vielleicht ist es nötig, diese Welt, unvollkommen wie sie ist, zu akzeptieren, um sie verändern zu können.
 
Vielleicht ist es gar nicht möglich, seinen Mann oder seine Frau zu stehen, weil wir dann immer stehen müssen. Immer standhaft bleiben, immer gegenhalten, immer reagieren ‒ und vergessen, wer wir dahinter wirklich sind. Wer wir sein wollten. Wer wir eigentlich sein wollen.
 
Vielleicht geht es nicht darum, die Macht als Volk zurückzubekommen, weil wir damit so beschäftigt sind, dass wir vergessen, die Macht als Ich zu behalten.
 
Vielleicht geht es darum, vollkommen zu sein, indem wir anfangen zu akzeptieren, dass wir unvollkommen sind. In diesem Augenblick kannst Du vollkommen und willkommen sein ‒ so wie Du bist. Hierin liegt Vergebung ‒ und Liebe.
 
Vielleicht geht es darum, ehrlich und wahrhaftig zu sein. Das kann oft unangenehm sein. Aber solange es mit Wohlwollen geschieht, wird eine leuchtende und leitende Kraft darin sein.
 
Vielleicht geht es nicht darum, auf die großen Ziele, Siege, Wendepunkte, wichtigen Ereignisse zu warten, weil man dadurch den Weg dazwischen geringschätzt. Vielleicht geht es darum, in quasi jedem Moment ein winziges, aber heiliges Glück zu finden. Wie oft würden wir uns angekommen fühlen? Wie sehr ausgefüllt und befriedet? Wie viel weniger gehetzt? Wie viel gelassener, fitter, schöner, erfolgreicher und weiser? :-)
 
Haben wir nicht alle das Gefühl: Bald höre ich auf mit dem Quatsch, und dann kommt das richtige Leben? Wir müssen den Quatsch aushöhlen mit dem echten Leben ‒ Jetzt. Ansonsten gibt es kein echtes Leben. Und kein echtes Ich. Und was treibt uns eigentlich dazu, Quatsch zu leben?
 
Den Blick sowohl in die weite Ferne richten, aber auch bei jedem Schritt die Blüten am nahen Wegrand bemerken ‒ ich glaube darin liegt die Lebenskunst, die macht, dass man bei sich bleibt.
 
[23. Oktober 2015]